0005

In einem deiner Täler, am Hang eines immergrünen Waldes, dort errichtete ich mein kleines Lager, Lager zu Siedlung, Siedlung zu Handelshafen, Handelshafen zu Stadt, Stadt zu Nation. Wir handelten in Streicheln, Küssen, Atemraub, gaben einander im Umtausch Rat, Beistand, Griff und Wissen.
Was lässt dich glauben, ich ließe dich absägen, wie es dir beliebt, und meine Nation in deinem Herzen von Erdrutschen bedrohen?

0004

Nach Sternen, ins Leere, ins Unbekannte, ins Ferne, hinter Wänden, über Mauern, durch Türen, jenseits der Leinwand, hinter dem inneren Auge, in der Seite, durch den Rost, zwischen dem Ozean, früher der Zeit, windschief zum Raum, am Ende der Kreativität angekommen: durch das Techneskop in die Fremdwelt!

0003

Sie starrte auf die Willkommenstafel über den Dächern der Stadt. Kein Licht von ihr erreichte ihre Augen, und doch sah sie sie klar und deutlich. Während sie sich umdrehte, brachte sie die Tafel zum Verschwinden: einfach an eine Küstenlinie denken und der Hinweis, in welcher Realität sie sich befand, erlosch.

“Warum ist die Zukunft eigentlich so scheiße?” fragte er sie vom Bett aus.

Arme griffen ineinander, eine Rüstung aus Knochen für zwei Liebende.
“Weil die Gegenwart nicht von Autoren, sondern von Angestellten geschrieben wird”, sagte sie zwischen köstlichen Lippen.
Ihre Fühlenswürdigkeiten fanden sie ineinander. Vielleicht morgen sich diese Katzen mal anschauen?

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Ich brachte ihm einen Kaffee, einen Keks, den Kaffee mit zwei Zucker und zwei Milch und ich blickte in sein schiefes Gesicht und sein schiefer Mund entstellte sich mit schiefen Zähnen zu einem wunderschönen Lächeln, als er sein Hörbuch unterbrach, um mir vier Wörter zu sagen.

Manchmal frage ich mich, ob es so etwas wie kaltblütige Freundlichkeit gibt. Aufgestellte Nackenhaare schlürfen ihm nach.

0001

Irgendwo zwischen Mannheim und Mostar verlierst du deinen letzten Schluck Wasser und die Welt ist leer und die Welt ist voll und die Welt ist dir egal: niemand hat dir Wasser.
Nur in deiner Erinnerung weißt du, ja, deinen letzten Schluck Wasser hast du irgendwo zwischen Mannheim und Mostar verloren und dein Durst lässt dich an diesen Schluck so herankriechen wie ein Affe an seine erste tote Maus herankriecht, mit dem Auge ganz dicht am Kadaver. Und wie sich ihm das Geheimnis des Todes nicht erschließt, bleibst auch du im Durst deinem Wasser fern in der Hölle.