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Meine Erstveröffentlichung!

Mit einem Bauch voll Stolz und einer Brust voll Adrenalin, darf ich alle hier versammelten Personen und Ghoule herzlich dazu einladen, die aktuelle Februar-Ausgabe der eXperimenta hier zu lesen, um dort, unter anderem, auch meine Kurzgeschichte »Transatlantisches Seminar« auf Seite 15 zu lesen!

Danke an die Redaktion der eXperimenta!

Auch bitte die ganze Ausgabe lesen, gell?

Ein (Science-Fiction-)Autor zu werden bedeutet für mich erstmal Nachforschungen anzustellen. Da ich vor kurzer Zeit mit Consider Phlebas von Iain M. Banks angefangen habe, fange ich bei ihm auch an.

Link zu Iain Banks Culture Series Galaxy – Worlds of Speculative Fiction (lecture 18)

Auch einige Unterhaltungen (lies: Streitgespräche) auf Twitter und Tumblr trugen zu neuen Ideen bei; Pareto-Verteilungen und was Stalking für wen bedeutet; Jordan Peterson und die Anfälligkeit gegenüber jemandem, der seine Sprache spricht; Demagogen und Boostergangs; Philosophen und die Schwammigkeit des Begriffes »Seele«; Obergerichtsvollzieher, aggressive Hashtags und Account-Wegelagerer.

Spannend ist es. Auch anderswo probiere ich ein paar Sachen aus, Social Media und so weiter. Auch in neue TLDs arbeite ich mich gerade ein. Vielleicht sagt mir ja eine Endung plötzlich, dass ich zu ihr eine Idee habe.

Aber genug, Gregory B. Sadler hat jetzt das Wort.

Am Rande

Nicolas Dierks auf Twitter hat mir folgende Frage gestellt:

Das klingt interessant – meinst du, dass sowohl Unterversorgung als auch Überfülle an Informationen die eigene Freiheit hemmen können?

Kontext: Welchen philosophischen Gedanken willst du dieses Jahr besser verstehen?

Nach einem Spaziergang und Einkauf, versuche ich diese Frage jetzt und so, wie ich gerade bin, zu beantworten.

Als Erstsemester des Grafikdesignstudiums meine ich, dass Informationen aus Verarbeitungen von Sinneseindrücken, in Abhängigkeit von Vorwissen und anderen Sinneseindrücken, wie auch Erinnerungen und Mustern sind, sie sind also irgendwessen Aufwand der Sortierung, die man als Wahrnehmung bezeichnen kann. Je mehr und besser meine Arbeit als Grafikdesigner, sozusagen, mein Erfolg »gutes« Design zu erzeugen ist, desto weniger dieser Sortierarbeit fällt dem Rezipienten meines Designs zur Last. Wortwörtlich, denn nachdenken, sortieren, um dann erst wahrzunehmen, herauszufinden, was es ist, dass man durch die Sinne vermittelt bekommt, und was davon wichtig genug ist, dass es in den Brennpunkt des Bewusstseins, ins Zentrum der Aufmerksamkeit befördert wird, kostet Zeit und, tatsächlich, auch Kalorien. Habe ich meine Arbeit gut getan, dann muss kaum jemand mehr, außer mir und nach mir bei diesem Design noch nachdenken.

Alle Informationen, die relevant sind, werden in diesem Grenzfall ohne Fehler erfasst. Zu dem Fehler möchte ich später zurückkommen, aber als eben dieser Student sagen, dass zu wenige Informationen zu haben, das Wissen hemmen, auf jeden Fall das Wissen darüber, was man alles verstehen, erfahren, denken, fühlen, kurz gesagt, wie man alles Mensch sein kann. Eine Überfülle an Informationen verlangt hingegen nach den Kapazitäten einer oder vieler dedizierten Personen und derer Arbeit, sonst werden alle Informationen so lange gleichwertig behandelt, bis der Mensch die für ihn günstigste Variante selber herausfindet. Ob das aufgrund von Aufwand und Zeit und Kalorien zumutbar ist, kann ich nicht sagen, vermute aber, dass die Existenz meines Studienganges bedeutet, dass die Antwort auf die Zumutbarkeit ein »Nein« ist.

Als jemand, der gerade einkaufen gewesen ist, sieht es so aus: Cordon Bleu, Gemüsepommes, zwei Flaschen Wasser, Süßigkeiten. Oder: Essen und Trinken. Oder: Aufrechterhaltung meiner Existenz. Oder ich nenne die Produkte und ihre Marken. Oder weswegen ich glaube, das gekauft zu haben, was ich gekauft habe, und was ich vielleicht zuerst kaufen wollte, mich dann aber dagegen entschied. Meine Freiheit besteht darin, dass ich aus einer Fülle an Dingen Genuss erfahren kann, Dinge, die ich noch nicht ausprobiert habe, Dinge, die mir nicht schmecken (ein ganz eigener Genuss ist der Ekel und das Widerliche dieser Tage, weil beide nicht sofort zu Krankheit führen müssen); je größer die Informationen sind, die ich verarbeiten kann, desto bunter fällt mein Genuss aus. Würde es hier lediglich um irgendeine Form von maschinenartiger Rohstoffverbrennung gehen, gäbe es weder die Auswahl und die damit verbundenen, wie auch lockenden Informationen, noch meinen Geschmackssinn. Die Entscheidung für etwas, ist immer da. Manchmal dauert sie etwas.

An diesen Informationen finde ich interessant, dass eine Meisterschaft des Kochens darin besteht, alle Geschmacksklassen gleichzeitig gewissermaßen zu erwischen: das Essen schmeckt süß, salzig, bitter, sauer, umami, scharf, heiß, kalt, usf. Das volle Ausschöpfen des Geschmacksspektrums führt zu höchstem Genuss, bei absoluter Unfähigkeit zu beschreiben, nach was es schmeckt. Nach »allem« kann es nicht schmecken, selbst wenn diese Fantasie des Kochens unerreicht ist. Aber anscheinend schmeckt es nach nichts. Und das finde ich interessant: alles gleichzeitig und nichts sind hier ununterscheidbar, vielleicht deswegen identisch? Ich weiß es nicht. Ich meine, dass eine Überfülle an Informationen beim Essen und Trinken meinen Genuss bis zu meinem Lebensende ermöglicht, und für mich ist das eine Freiheit, die Freiheit des Neuen.

Dadurch, dass auch hier Fehler entstehen, entsteht Spannung: schlecht zubereitetes Essen, mieser Tag, Hormone oder Aberglaube können diesen Genuss nachhaltig verändern oder verhindern. Nicht jede potenzielle Freiheit des Genusses steht mir de facto frei. Hier meine ich, dass Informationen meine Freiheit erst ermöglichen und diese vergrößern, wenn auch die Informationen zunehmen, die ich erfahren kann.

Als jemand, der Gedichte schreibt, Kürzestgeschichten und bis dato unveröffentlichte Science Fiction-Kurzgeschichten, mache ich mir Gedanken darüber, was das Wissen von Allem bedeutet. Bedeutet es, dass man alles weiß oder bedeutet es vielmehr, dass man nichts mehr wissen kann? Wenn also, wie ich andernorts geschrieben hatte, alle Menschen das gleiche wüssten, zu irgendeinem Zeitpunkt, gäbe es dann noch Wissenszuwachs? Forschung? Kunst? Und wenn alle Menschen zu diesem Zeitpunkt alle über das gleiche Wissen verfügen würden, würde dann neue Information, neues Wissen allein dadurch schon entstehen können, dass Menschen fehlerhaft verteilt sind? Ich schlafe beispielsweise viel, heißt das, dass meine Informationen zu diesem Zeitpunkt der Gleichschaltung gleich wären? Wenn ja, wie könnte das dann wahr sein, obwohl ich doch schlafe? Wenn nein, weswegen wäre es dann eine Gleichschaltung? Der Unterschied, der durch Fehler zwischen Menschen entsteht und auch teilweise in Menschen entsteht, ermöglicht erst die Freiheit einer eigenen Identität, und sei sie auch nur durch eine anders gelegene räumliche Verteilung bedingt: zwei menschliche Körper können nicht dieselbe Raumzeit einnehmen, aber verschieden sein.

Wenn wir alle das gleiche wüssten, wüssten wir dann alles? Ich meine nein, daher meine ich auch dass nur eine Unterversorgung hier Freiheit hemmt, weil eine Gleichschaltung in diesem Szenario das gleiche bedeuten würde, wie eine Abwesenheit solcher Informationen. Eine Überfülle an Informationen bringt uns alle auf ganz neue Ideen, bei gleichzeitigem Erhalt alter nützlicher Ideen. Und das macht uns frei: dass wir uns ausbreiten können, über unsere angenommenen Grenzen hinaus, welche dann einfach mitverschoben werde nach außen.

Als jemand, der angefangen hat, sich in seiner Freizeit mit Philosophie auseinanderzusetzen, meine ich, dass es ganz darauf ankommt, was Freiheit für den einzelnen bedeutet und ob diese Person fehlerfrei Freiheit erklären kann. Nicht fehlerfrei wie in objektiv, sondern fehlerfrei wie verständlich: wenn du mir Freiheit erklärst, sieht mein Gehirn in diesem Moment wie deines aus. Ob das dann noch Freiheit ist, ist eine weitere Frage, die ich nicht beantworten kann, schließlich weiß ich zu diesem Zeitpunkt nicht einmal, von welcher Freiheit die Rede ist, was man schon daran sehen kann, dass ich verschiedene Funktionen von mir als Gerüst verwende, um die Frage daran festzumachen, sonst zerfällt alles, weil es alles sein kann oder nichts, und es dafür keinen Gedanken, geschweige denn Worte gibt, die ich dafür kenne oder hätte.

Und Letztenendes als jemand, der nichts über Physik weiß oder versteht, meine ich, dass, wenn im ganzen Universum und in jedem Universum alles zerfällt, alles zerfallen wird, alles zerfallen ist, dass also überall die gleichen Informationen vorliegen und keine Unterschiede mehr zu erkennen sind, wie auch nichts mehr da ist, dass etwas erkennen könnte, weil auch dies nach dem Unterschied zwischen Betrachter und Betrachtetem verlangt, worin wiederum Information liegen würde, wie ich denke, dann bedeutet das für mich folgendes: wenn alles gleich ist, dann ist alles eins, ohne zu sein und ohne Dasein und der Unterschied, den wir zwischen Existenz und Nichtexistenz machen, also der Unterschied zwischen der Singularität und dem Universum nach dem Urknall aus dieser Singularität, ist gänzlich unserer Unfähigkeit geschuldet, diese als identisch anzusehen. Das Universum ist nicht nach dem Urknall, es ist der Urknall, es ist die Singularität, es ist ich, wie ich das hier schreibe und ganz sachte dissoziiere und mich sehr irreal fühle, es ist du, der seine eigenen Gedanken dazu hat, es ist der Zerfall des letzten Protons, aber wir machen hier einen Unterschied, weil Information mit ihrer Abwesenheit gleichzusetzen, ist weder für unsere Leben nützlich, noch führt dieser Gedankengang woanders als in die Todessehnsucht hin, irrtümlich annehmend, man sei dann erst Teil von etwas, während man es schon längst ist.

Meine eigene Freiheit hat sich durch diesen Gedanken nun vergrößert, denn ich sehe jetzt, dass ich so denken kann. Gehemmt fühle ich mich höchstens durch die jetzt alles umfassende Furcht, die ich empfinde. Aber die geht vorbei, spätestens dann, wenn ich diesen Gedanken durch fehlerhaftes Erinnern wieder vergessen haben werde.

Und wie ich als Antwort auf Nicolas Dierks bereits auf Twitter schrieb, ich würde diesen philosophischen Gedanken im Laufe der nächsten Jahre besser verstehen, weil er mich auf verschiedene Weisen zum Denken anregt.

 

Werktstattbericht vom 22.01.2018

Die Fantasie, dass ich intelligent bin, dass ich etwas weiß, dieser Traum hat mich daran gehindert, tatsächlich etwas zu lernen, etwas verstehen zu lernen, zu lernen, was es bedeutet, etwas immer deutlicher zu begreifen.

Ich hoffe, dass ich weiter an meiner eigenen Herausforderung an mich selbst, 1.000 mal eine Kürzestgeschichte zu schreiben, dranbleibe.

Dazu gesellen sich dieses Jahr noch zwei weitere Projekte, über die ich noch nichts verraten möchte, weil ich mir selbst gegenüber zutiefst misstrauisch bin. Nur eines kann ich sagen, ohne es sofort zu bereuen: beide Projekte verlangen nach Lerneifer, um sich gegen meine Ignoranz durchzusetzen.

Mein Stil: Nanoprozess-Poesie

Die Technologie, meine Umwelt, hält Einzug in innere Welten eines Dichters, und drückt sich so selbst als ein von anderen Dingen getrenntes Ding aus.

Langsam begreife ich, was Künstler damit meinen, wenn sie »es drückt sich durch mich aus und nicht ich drücke diese Kunst aus«.

Erstaunlich.


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